Montag, 16. April 2007

Let's go daqui und Joao Cachaca

Heute war einer da und hat mir was über Breitband-Internetanschlüsse erzählt. Soll es hier im Dorf angeblich bald geben. Schön wär’s ja. Habe mir also die Nummer des Typen aufgeschrieben, um gegebenenfalls in ein paar Monaten nachfragen zu können, ob es schon soweit ist. Der Mann heißt Jarlis. Wenn man sich den Namen so richtig auf der Zunge zergehen läßt, klingt das beinahe wie Charles – brasilianisch ausgesprochen, versteht sich. So haben die Eltern von Jarlis den Namen vermutlich auch gemeint.

Das Tolle ist, dass man in Brasilien so ziemlich jeden beliebigen Namen in jeder beliebigen Schreibweise auf dem Amt registrieren kann. Und die Brasilianer sind erstens kreativ und zweitens auch in der Orthographie nicht engstirnig. Deswegen gibt es eine Menge Johnnys hier. Die schreiben sich allerdings nicht so, sondern Jonne, Jone, Joni oder sogar Jhone. Ebenso vielfältig variierbar ist der beliebte Name Washington, etwa als Uoston oder Woxingtone. Familiennamen haben die Brasilianer vergleichsweise weniger. Aber das ist ganz egal, wer hierzulande da Silva oder de Souza heißt – so ähnlich wie Müller oder Maier in Deutschland - kann den ordinären Familiennamen durch eine klangvolle Prominenz-Anleihe (natürlich auch diese mit frei wählbarer Orthographie) davor prima aufpeppen. Ich habe ein bißchen recherchiert und Elvis Presley da Silva, Hericlapiton da Silva, Marlon Brando Benedito da Silva, Sherlock Holmes da Silva und Ludwig van Beethoven Silva gefunden. Gibt es alle in echt. Je nach aktuellem Fernsehprogramm und Hitparade kommen außerdem mal mehr mal weniger Maicon Jakisson und Marili Monrói vor, soweit ist das alles nachvollziehbar. Aber warum hierzulande so viel Hunde Beethoven heißen, hat mir bisher niemand erklären können.

Vielleicht hat das mit der Vorliebe des Volks für Bildung zu tun? Oder für komplizierte Worte? Denn auch die Vornamen Hypotenuse und Hydraulik oder Magnesium und Mangan sind laut Internet-Liste schon registriert. Besonders beliebt sind Alliterationen bei mehreren Kindern: Zigfird, Zigfrida, Zingrid können dabei rauskommen, oder Rosimere, Rosineide und Rosilane – die kenn ich sogar persönlich. Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt: Auch die Schwestern Komma und Punkt gibt es, ebenso Herzinfarkt Oliveira und Joao Cachaca, sowie Letsgo Daqui. Sind alle in einer offiziellen Liste* besonderer Namen verzeichnet. Leider fehlt die jeweilige Entstehungsgeschichte. Was hat zu „Beimgehen Beimkommen Beimwiederkommen Pereira“ geführt? Und wie konnten die Eltern bei der Geburt schon wissen, daß ihr Sohn ein „Joao Heiratete In Kurzen Hosen“ werde würde? Fragen über Fragen. Bei Frau Jafa Lei ist die Sache immerhin leicht zu raten. Da muß der schwerhörige Beamte nachgefragt haben: Wie war noch gleich der Name? Darauf der genervte Vater: Hab ich doch schon gesagt – auf Portugiesisch: „Ja falei“.

Immer noch besser als „Bittere Medizin“ oder „Produkt der Ehelichen Liebe von Marichá und Maribel“. Doch. Das sind auch legitime Namen hier. Jarlis klingt dagegen nahezu langweilig.

* http://constanteevolucao.wordpress.com/2007/01/19/nomes-proprios-exoticos/

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