Dienstag, 2. Dezember 2008

Der Leibhaftige hilft nicht


Xuxa ist es in den nahezu dreißig Jahren ihrer Karriere gewohnt, im Rampenlicht zu stehen, und normalerweise genießt die inzwischen 45Jährige blonde Kindermoderatorin den Rummel. In letzter Zeit hätten ihr bessere Quoten bei ihrer Samstagsshow sogar gelegentlich gefehlt. Manche meckern schon, Xucas beste Zeiten seien vorbei.

Und dann kamen die Schlagzeilen - allerdings anders als erwartet. In einer Auflage von sensationellen drei Millionen, davon können die Medienmanager in der Krise nur träumen. Die „Folha Universal“ schafft solche Traumzahlen mit einem schäbig gedruckten Printprodukt, das erst kürzlich auch außerhalb der Igreja Universal do Reino de Deus bekannt wurde. Auf dem Titel der Ausgabe Nummer 855 der Folha Universal, die eine Woche im August unter Gläubigen kursierte, starrt Brasiliens Ikone, die 45jährige Xuxa, leicht irr ins Leere. Überschrieben ist das Bild mit „Pakt mit dem Dämon“, darunter heißt es: Mein König „Exux“ – in Anlehnung an die afro-brasilianische Religion des Candomblé, in der „Exu“ nicht nur Vermittler zwischen Menschen- und Geisterwelt ist, sondern von manchen auch mit dem Teufel gleich gesetzt wird.

Erfolg ruft Neider auf den Plan, das ist in Brasilien nicht anders. Und Xuxa ist vielleicht die erfolgreichste Brasilianerin überhaupt: Bereits im Jahr 2002 wurde ihr privates Vermögen mit 250 Millionen Reais angegeben, damals verdiente sie bei TV-Globo jeden Monat 2,2 weitere Millionen. In ihrer bisherigen Karriere hat die Sängerin insgesamt beinahe 900 Lieder aufgenommen, rund 30 Millionen Platten, CDs etc. verkauft und steht damit auf dem zweiten, fünften, sechsten und achten Platz der zehn Top-Seller-Alben Brasiliens.

In der Folha Universal stand also im August, Xuxa habe einen Pakt mit dem Leibhaftigen geschlossen. Für 100 Millionen Dollar habe sie dem Teufel ihre Seele verkauft. Die TV-Kinder-Tante Brasiliens spende Blut für den Satan, wer ihr Lied „Hündchen Xuxo“ rückwarts abspiele, höre Teufelsanrufungen, und die Xuxa-Puppe terrorisiere Kinder.

Irgendwie ist Missionar Josué spät dran mit seinen Leibhaftigen-Vorwürfen. Bereits als Xuxa in den 1980ern ihren Aufstieg in den Himmel der Kinder begann, regnete es solche gehässigen Kommentare. Und weil ihren seichten Liedtexten nicht viel anzudichten war, hieß es damals: spiele man das Stück „a vida é doce, doce, doce“ (das Leben ist süß, süß, süß) rückwärts ab, sei: sangue, sangue, sangue (Blut, Blut, Blut) zu hören. Entweder hat Josué also abgeschrieben, oder selbst erfunden. Dass die Xuxa-Puppen nachts Kinder erdrosseln, haben wir schon vor Jahren gehört, und außerdem hat Xuxa den Höhepunkt ihrer Karriere, egal ob mit oder ohne Dämonenhilfe, längst überschritten.

Paulo Coelho, Ozzy Osborne, Alice Cooper und die Rolling Stones sind übrigens laut dem Kirchenmann ebenfalls dem Dämon verfallen. Geklagt hat bislang nur Xuxa. Vielleicht, weil sie damit bis zu drei Millionen Reais Schmerzensgeld verdienen kann. Offiziell sagt sie: Weil sie „alle Religionen respektiert, Liebe und Glauben für Gott empfindet und ihr ganzes Leben darauf ausgerichtet hat, Gutes zu tun, wie etwa in der nach ihr benannten Stiftung“. Fast könnte man meinen, Xuxa sei wirklich besorgt.

Grund hätte sie dafür eher einen anderen: Neuerdings macht ihr ein sechsjähriger Lockenkopf namens Maisa heftige Quoten-Konkurrenz. Der minderjährigen Samstags-Moderatorin wird vermutlich als nächster Teufelsanbetung unterstellt, denn frech ist die erfolgreiche Kleine auch noch.

Foto: Fototapete Xuxa von deviantart.com

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