Dienstag, 18. August 2009

Globo-TV und der Bischof


Wer hätte das nicht schon länger geahnt? Dass die ach so edlen Pastoren der vielen evangelischen Freikirchen und Sekten hier in Brasilien nicht immer rein spirituell motiviert sind? Hier auf dem Dorf jedenfalls ist nicht zu übersehen, dass neben dem Groß-Unternehmer nur der Pastor ein neues Auto fährt und ständig schicke Anzüge trägt. Beachtlich ist auch, dass es in unserem kleinen Dorf gleich drei Kirchen solcher Gemeinden gibt. Muss alles finanziert werden. Also gehört es zumindest zum Pastorendasein dazu, ordentlich Spenden einzutreiben.

Kürzlich zeigte TV Globo in den Abendnachrichten Filmausschnitte, die scharf darauf schließen lassen, dass für den Bischof der Igreja Universal, Edir Macedo, das Spendensammeln längst zur Hauptbeschäftigung geworden ist: Während eines fröhlichen Bolz-Zusammentreffens mit anderen Unter-Pastoren seiner Kirche erzählt er seinen Jungs, wie sie die Gläubigen am besten um ihr Geld erleichtern. Und wird dabei ziemlich deutlich. Die Schäfchen sollten das eindeutige Gefühl bekommen: wenn sie spenden, kommen sie in den Himmel, wenn nicht, gehe es abwärts in die Hölle. Und dass die Pastoren dabei nur nicht zu zimperlich vorgingen, mahnt ihr Kirchoberhaupt: „Bescheidene Pastoren machen keine Schnitte“. Poltern und donnern muss der geistliche Geldeintreiber „ständig im Kampf gegen den Dämon“, ein Held sein, ein Retter – und vor allem ein Kämpfer für die Kirchenkasse. Selbst kann Macedo das übrigens bestens.

Mit dem reichlich fließenden Ablass-Geld lassen es sich die Kirchenoberen gut gehen. Während es bei unserem Dorfpastor nur für ein neues Auto reicht, so hat Macedo sich neben anderen Immobilien gleich zwei Wohnungen in Miami leisten können. Gemeinsam mit anderen Seelenhütern feiert er seine Erfolge bei – ebenfalls gefilmten – Ausflügen in die Inselwelt von Angra dos Reis oder bei fröhlichen Tänzen mit den Kollegen. Besonders spirituell wirkt das alles nicht. Besonders neu ist es aber auch nicht.

Problematisch wurde die materielle Ausrichtung des Bischofs vor allem dadurch, dass er 2007 den TV-Sender Record kaufte – und seitdem eifrig daran bastelt, dem bislang nie herausgeforderten brasilianischen Einschalt-Sieger TV Globo knallharte Konkurrenz zu machen. Ungeniert kopiert Macedo die erfolgreichsten Globo-Formate – und macht seine Kopie nicht selten besser als das Original: Kein Problem mit den Spenden-Milliarden. So gut läuft die kirchliche Vergnügungsmaschinerie, dass sie TV Globo in letzter Zeit bedrohlich nahe kommt – und den Spitzenreiter in der Gunst des Publikums gelegentlich gar überholt. Genau das dürfte der Grund sein, warum TV Globo den Laien-Filme über Edir Macedo ganze neun Minuten bester Sendezeit gewidmet hat.

Schön ist das sicher nicht für die Gläubigen, zu sehen, wie ihre geistigen Vorbilder grölend lachen über ihre eigenen plumpen Sammelmethoden. Wie sie sich auf die Schenkel klopfen und so gar keinen Respekt für ihre Schäfchen zeigen. Seit dem 10. August sind der Bischof und neun seiner Mitstreiter außerdem angeklagt wegen Bandenbildung und Geldwäsche – weil sie das Spendengeld ins Ausland verschafft und wieder zurück geschmuggelt haben sollen, um es so für ihre Zwecke umwidmen zu können.

Natürlich konnte der Oberpastor solche Angriffe nicht ewig schweigend hinnehmen. Am Wochenende ließ er nun - in einer entsetzlich langatmigen Antwort-Sendung im eigenen Sender - verbreiten, dass TV Globo selbst allerlei Dreck am Stecken habe, angefangen von behaupteten illegalen Verflechtungen mit am Fall beteiligten Richtern und Staatsanwälten bis hin zum angeblich von Beginn an illegalen Erwerb des ganzen Senders. Höhepunkt der Sendung war schließlich ein Interview mit Macedo, zu dem dieser – ganz der einfache Gottesmann – im selbst gesteuerten Privatwagen anrollte, und frech behauptete, die Spenden-Millionen würden ausschließlich zum Bau von Kirchen und für gute Werke verwendet. Seine Gegner bei TV Globo hätten Angst vor ihm und seinem Erfolg, sagte der Bischof. Früher hätten sie Angst gehabt, er könne sich zum Präsidenten von Brasilien wählen lassen, jetzt fürchteten sie, er könne höhere Einschaltquoten erreichen.

Zu den in den Nachrichten gezeigten Filmen und seinen eigenen hässlichen Worten darin, sagte der Bischof nichts. Statt dessen sprach er von religiösen Vorurteilen und rief dazu auf, „die Kirche müsse in diesen Zeiten harter Angriffe besonders stark wachsen.“

Ich fürchte, die Schäfchen werden ihm auch das abnehmen. Was ist anderes von Menschen zu erwarten, die glauben, sie kommen in den Himmel, wenn sie nur genug Spenden abdrücken?

Das Foto zeigt eine der Immobilien des Bischofs.

Kommentare:

NU hat gesagt…

Da staunt man nur noch, über Gläubige, die wirkliches Alles glauben und sich nach Strich und Faden betrügen lassen. Solange es diese gibt, gibt es auch das gut genährte Heer der Parasiten. Übrigens: Mit Rede Globo habe ich kein Mitleid!

Bruno hat gesagt…

Ich hab´s doch gewusst! Meine Familie rennt hier (Sampa) auch 3x pro Woche in den Tempel. Die glauben auch den größten Schwachsinn, wenn´s der Pastor erzählt hat.

Letztens schrieb jedes Familienmitglied 1 Brief und ich dachte: "Klasse, endlich bekomme ich mal wieder Post!".... Später erfuhr ich, daß die Zeile für den Pastor seien und dieser sich dann um 3 Uhr in der Nacht damit auf den Weg in die Berge machen wird.

Was er dort will, konnte mir niemand plausibel erklären. Aber alles sei in Sinne der Kirchengemeinde, so hörte ich.

Der nächste Kirchenbesuch dauerte nur Bruchteile, die Familie war umgehend wieder zu Hause. Alle waren etwas missgelaunt, im Gegensatz zu mir.

Ich machte meine Späßchen und sagte: "Na, ist Euer Pastor noch nicht aus den Bergen zurück? Habe ich doch gleich gesagt! Was will der auch mitten in der dunklen Nacht in der Favela?"

Sie rückten irgendwann raus mit der Sprache und teilten mir mit, daß der "gute Mann" festgenommen wurde. Und zwar am gleichen Tag, als er (angeblich) auf dem Rückweg aus den Bergen war. Es sei eine Routinekontrolle der Polizei gewesen und etwas hätte mit dem Auto nicht gestimmt.... Nachtigal, ick hör Dir trapsen!

Zum nächsten Gebet war er natürlich wieder draußen und meine Familie kam sichtlich erfreut zurück. Aber nicht nur ob seiner Rückkehr - Nein, mein Schwiegervater hatte bei der Tombola (am selben Tag) ein neues Mobilfunktelefon gewonnen und mein Schwager zog eine neue Mikrowelle.

Nur meine Sicht der Dinge (Pastor reist nach Mitternacht in die Favela, erhält einige geklaute Dinge für die Kirchentombola und wird wegen illegalen XY-Besitz festgenommen) konnte niemand verstehen...

Das sie die gewonnen Dingen mit ihren Spenden vorher schon selbst finanziert hätten, daß wollten sie auch nicht verstehen....

Der Gottesdiener war jedenfalls nun der neue Supermann!

David hat gesagt…

Ich verstehe es nicht. Es braucht doch anhand des erbrachten Beispieles eigentlich nicht viel, um zu erkennen, worum es den vielen Kirchen letzten Endes wirklich geht. Sollte man denken.

Nachdem ich selbst in einem alten Kino/Theater mal einer solchen „Missa“ beiwohnen durfte: Ja doch, es hat was – auch wenn ich wegen mangelnder Portugiesisch-Kenntnisse viel nicht verstand. Und spirituell angehauchten Menschen mit einem Hang zu Rituellem, einer Mischung aus Gebet, Hypnose, Gesang und erlebter Gemeinschaft scheint das etwas zu geben. Der Mensch braucht eben etwas, woran er sich halten und orientieren kann, etwas, das ein Gefühl der Zugehörigkeit suggeriert, vollmundige Versprechungen macht. Das trifft vielleicht gerade auf Menschen zu, die ansonsten nicht viel Möglichkeiten haben und nicht wissen, was morgen sein wird.
Vielleicht lässt der Mensch sich um das gute Gefühl willen auch wissentlich ein wenig bescheißen?

David hat gesagt…

Guten Abend,

von Rede Globo, und zum besagten Thema noch ein kleiner Nachtrag; Ein Artikel der Zeitschrift "ÉPOCA":

http://revistaepoca.globo.com/Revista/Epoca/0,,EMI93948-15210,00-APRENDI+A+EXTORQUIR+O+POVO.html

 
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