Samstag, 17. Juli 2010

Das Ende eines Fußballmärchens


Wer arm geboren wird in Brasilien, kann problemlos sein ganzes Leben arm bleiben. Oder er steigt auf. Dass es ein Slumbewohner zum Bankdirektor schafft, ist bekanntlich eher selten. Die Chancen darauf, Profi-Fußballer zu werden, sind auch nicht so groß, wie viele träumen, aber im Vergleich stehen sie doch deutlich besser. Am einfachsten ist es immer noch, eine Karriere im Drogen- und Bandenmilieu zu machen. Kein Wunder, dass beides oft sehr nah beieinander liegt.

Wenn ein Nachwuchskicker einen Profivertrag bei einem der großen Vereine bekommt, kann er oft auf einen Schlag seiner Mutter ein Haus und sich selbst ein Auto kaufen. Er wird zum Frauenheld und gern gesehenen Gast auf jeder Party – und selbst die Feinde seiner Kindheit wollen seine Freunde sein. Meist muss er mit dem Vertragsbeginn aber auch hinaus in die Welt der anderen. Die anderen, bei denen er nie dazu gehört hat. Weil die anderen immer schon Geld gehabt haben. Weil sie eine gute Schule besucht haben. Weil sie immer schon eine sichere Zukunft hatten. Dass sie immer noch nicht dazu gehören, verkraften viele nicht.

Manche schmücken sich mit dicken Diamanten und coolen Sprüchen, wie Carlos Alberto, der immer noch bei Bremen unter Vertrag steht, aber wegen seiner Anpassungsschwierigkeiten schon an so viele brasilianische Vereine zurück ausgeliehen wurde, dass man schnell den Überblick verlieren kann. Oder sie verlieren sich in Alkohol und Frauengeschichten wie Adriano, der bei Mailands Inter eine so beneidenswerte Karriere hingelegt hatte. Irgendwann ist der Zwei-Meter-Mann zusammengebrochen und ist untergetaucht. Gesichtet wurde er nach Tagen zuhause in seinem Slum in Rio.

Von Adriano existieren Fotos mit erhobener Waffe – angeblich nur ein Spielzeug. Er hat zugegeben, einem Drogenboss größere Geldmengen zugeschoben zu haben – angeblich, damit dieser Nahrungsmittel an die Armen verteilen sollte. Sein Kollege Vagner Love wird regelmäßig auf Funkparties in zweifelhafter Gesellschaft gesichtet. Alles kein Problem? Alles nur Spielerei? "Wir können die Jungs nicht von ihren Wurzeln abschneiden, da kommen sie eben her" – heißt es gerne von Seiten der Vereine. Das mag stimmen. Aber jetzt ist es komplizierter geworden. Im Fall Bruno.

Bruno ist ein vielversprechender junger Torwart, unter Vertrag beim traditionellen Flamengo-Club in Rio. Der 25Jährige verdient momentan beinahe 100.000 Euro im Monat und hat sich von seinem neuen Reichtum bereits ein Haus in Belo Horizonte, eine Wohnung in Rio und einen Jeep gekauft. Unter anderem. In die Schlagzeilen ist er jetzt allerdings wegen einer anderen Sache gekommen. Bruno steht unter dringendem Verdacht, an einem Mord beteiligt zu sein.

Bei einer Party, die der junge Mann selbst als „Orgie“ bezeichnet, hat er eine junge Frau kennengelernt. Eliza sah gut aus, war jung und sie war vor allem scharf darauf, einen Profi-Fußballer zum Freund zu haben. Dafür war sie schon mit mehreren ins Bett gegangen. Vor gut einem Jahr tat sie das auch mit Bruno. Und wurde schwanger. Das Sex-Intermezzo hatte dem Torwart so gut gefallen, dass er es noch mindestens zweimal wiederholte. Die Folgen gefielen dem seit Jahren verheirateten Star gar nicht. Er soll Eliza deswegen mit folgenden Worten gedroht haben: Ich will dieses Kind nicht und ich bin zu allem bereit, damit du dieses Kind nicht bekommst. Du kennst mich nicht und weißt nicht, wozu ich fähig bin, denn ich komme aus der Favela.“

Eliza ist tot. Misshandelt, verprügelt und schließlich erwürgt, zerteilt und Rottweilern zum Fraß vorgeworfen. Es sieht ganz so aus, als habe Bruno das veranlasst, der junge Held aus dem Fußballmärchen. Wie ist so eine Barbarei zu erklären? Weil Bruno aus der Favela kommt? Weil das seine Wurzeln sind? Weil er bei seinem kometenhaften Aufstieg jegliches Gefühl für die Realität verloren hat? Oder ist er einfach ein Psychopath, der zufällig auch noch Fußballer ist?

Foto: http://urubuzadams.wordpress.com/noticias/

Kommentare:

David hat gesagt…

Diese Sache ist tragisch, im mehrfachen Sinne. Einmal, weil tatsächlich die Frau auf drastische Art und Weise malträtiert und getötet worden ist. Und, auch wenn freilich dem (höchstwahrscheinlichen) Initiator dieser Taten sodann kein allzu großes Mitleid zuteil werden sollte; Die Frage des Blogbeitrages zielt ab auf das Handeln des einstigen Stars. Darum also: Warum hat er sich selber solches Ungemach bereitet? Souverän auf beruflichem Terrain, bringen Partys und reine Freizeitaktivitäten Leben und Karriere eines jungen Mannes zu Fall? Es ist doch okay, dass es in einer ansonsten fast kastenartig gegliederten Gesellschaft der Sport, und sei es der Fußball, für einige wenige zumindest noch die Chance bereithält, von „ganz unten“ nach „ganz oben“ zu kommen. Natürlich ist insbesondere im Sport das Alter ein entscheidendes Argument, entsprechend kurz auch die „Halbwertszeit“ der Fußballer. Somit vollzieht sich, einhergehend mit dem sportlichen Aufstieg, bei diesen jungen Kickern oftmalig auch der anderweitige Lebenswandel in einer Geschwindigkeit, mit welcher vielleicht mancher dieser Jungs überfordert ist. Dass so ein Mangel an Orientierungssinn im neuen, anderen sozialen Umfeld deswegen gleich so gravierende Folgen haben mag, ist vermutlich die Ausnahme. Aber es mag ein Resultat davon sein, wenn neben Ansehen auch der Einfluss und die Möglichkeiten eines Menschen schneller wachsen als das Bewusstsein, dass eigenes Handeln auch im Einklang mit einer gewissen Moral zu bringen. Inwieweit in solchen Fällen die Fußballklubs eine Mentorenrolle einnehmen, weiß ich nicht. Denkbar ist auch hier wieder, dass neben verschiedenen Spielen, Trainings- und Ernährungsplänen die wenige Freizeit und das eigene Verfügen über das verdiente Geld noch eines der Dinge seien, in welche sich die Vereine nicht unbedingt einmischen wollen. Somit bleiben die Neuaufsteiger zumindest teilweise sich selbst überlassen. Und es ist nun einmal so: Wer Geld hat, bestimmt. Vielleicht hatte der heute 25jährige auch aufgrund seiner eigenen Karriere das Gefühl, alles schaffen zu können, auch ohne die Berücksichtigung jedweder Regel. Das wäre dann ein Realitätsverlust, im Erfolgstaumel. Bei Personen, die zuvor „nichts waren“, binnen einer bestimmten Gemeinschaft keine merkliche Bedeutung hatten, ist oft der Wunsch vorhanden, „wer sein“ zu wollen. Selbst nach einem sozialen Aufstieg wird noch versucht, diesen nun erfüllten Wunsch zu unterstreichen. Nachdem sodann die materiellen Begehrlichkeiten weitestgehend erfüllt sind, ist Macht und auch bloße Machtdemonstration das, was viele Menschen erstreben. Ein Indiz dazu ist das genannte Posieren des besagten Adriano mit einer Waffe.
Vielleicht aber hatte der Torhüter gehofft darauf, dass beim Verschwinden der jungen Frau dieses mit ihm nicht in Verbindung gebracht werden würde. Dass, trotz der nicht kamerascheuen Freundin, keine Rückschlüsse auf ihn als möglichen Auftraggeber der Tat gezogen werden würden. Das wäre dann töricht. Auch denkbar ist, dass dieser Bruno aufgrund seiner persönlichen Erlebnisse während des Aufwachsens Gewalt als ein durchaus probates Mittel kennengelernt hat, welches zum Erreichen von Zielen eingesetzt werden kann.
Ob er deswegen ein Psychopath ist, kann ich nicht beurteilen.

Eliza schließlich wollte nicht sterben. Sie wollte vermutlich nur alles richtig machen, hatte ein Ziel vor Augen. Und sie setzte zum Erreichen desselbigen einfach die ihr zur Verfügung stehenden Mittel ein. Mit einem Solchen Ausgang hat sie wahrscheinlich nicht gerechnet. Auch hat sie möglicherweise die Drohungen, von welchen sie selber berichtete, nicht ernst genug genommen. Sich mit Verheirateten einzulassen, die ihre Fassade schützen wollen, ist ein Drahtseilakt. Dabei sich gegenseitig einem Kräftemessen hinzugeben, in dem der eine Part mit Gewalt und der andere Part mit dem Treten an die Öffentlichkeit, dem Enthüllen intimer Details oder dem Zufallbringen der Ehe droht, solches kann nicht gut ausgehen.

Für mich steht soviel fest, dass Eliza und Bruno Probleme schufen, die es nicht hätte geben müssen.

Anonym hat gesagt…

As mulheres dizem que Cristiano Ronaldo e Kaká são lindos de morrer. Elas precisam conhecer o goleiro Bruno. Ele é de matar.

 
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